Skip to content
20/09/2013 / Sarah

Broken / Kaputt

IMG_9410

80×80 cm Acryl, Karton, Holz, Metall auf Leinwand / 80×80 cm acrylic paint, cardboard, wood, metal on canvas

Deutsch: Dieses Gemälde ist bei weitem das wichtigste aller Werke, die ich bisher vollendet habe und liegt mir besonders am Herzen. Es zeigt meine kaputte psychische Verfassung. Ja, so sieht es in meinem Kopf aus, schwer zu glauben, oder? Aber was ist die Hintergrundgeschichte? Nun ja, dann erzähle ich mal:

Ich habe Kreativität und visuelle Kunst schon seit vielen Jahren als meine Flucht und zum Stressabbau genutzt. Wann immer ich angespannt war oder etwas meine Phantasie beflügelt hat, habe ich es auf Papier oder Leinwand gebracht. Von 2004 bis Ende 2012 habe ich in einer IT Firma als PA für den VP gearbeitet und mich zusätzlich um alle Marketingangelegenheiten gekümmert. Ich liebte meinen job, ich liebte mein Arbeitsumfeld, ich liebte es etwas im Unternehmen bewirken zu können. Ich habe bis zu 100 Stunden die Woche gearbeitet und für sehr lange Zeit habe ich dabei nichts Schlimmes verspürt, da ich keine Grenze zwischen dem was ich im Büro und zu Hause tat hatte. Auf Arbeit kreativ zu sein was genauso erfüllend wie in meiner Freizeit kreativ zu sein. Im Oktober 2010 merkte ich jedoch, dass etwas nicht stimmte. Ich wurde müde und habe aufgehört zu malen. Wann immer ich vor meiner Staffelei saß, wurde es leer in meinem Kopf. Ich war frustriert, aber ich dachte mir, dass es keinen Sinn macht mich unter Druck zu setzen. Das Kribbeln in den Fingern und das Verlangen würde schon wieder kommen. Ich habe als Ersatz viel an meiner Fotografie gearbeitet, aber auch wenn es mich runterbrachte, doch nie so wie ein Pinsel in meiner Hand. In 2011 hatte ich viel mit Migränen zu kämpfen und im Dezember dann war ich bereit für eine langen Urlaub. Ich brauchte ihn dringend. Leider gab es aber eine unvorhergesehene Situation und ich konnte erst 2 Monate später in Urlaub gehen. Die Arbeitslast wurde auch nicht weniger, im Gegenteil – sie verdoppelte sich. Aber weil ich immer die Ergebnisse meiner Arbeit sah und die belohnende Gefühl bei Erfolgen hatte, habe ich nicht auf meinen Körper gehört. In 2012 wurde es noch schlimmer. Ich hatte einen sehr kurzen Geduldsfaden und kämpfte sehr meine Laune nicht an meinen Kollegen auszulasssen. Meistens war mein Hirn aber noch schneller als mein Mund; Gott sei Dank! Leider ließ meine Gesundheit weiter zu wünschen übrig; ich hatte vom 1.1. bis 9.4. genau 3 schmerzfreie Tage. Meine Migräne trieb mich in den Wahnsinn. Und dann kam der schicksalhafte Tag: der 10. April 2012. Ich hatte eine heftige Auseinandersetzung mit meinem Chef, mit dem ich sehr eng war. Wir hatten eine brilliante Arbeitsbeziehung, aber an diesem Tag haben wir uns gar nicht einigen können und ich rastete während dieses elenden Telefonats aus. Zum Glück könnte ich mich soweit bremsen, dass ich meine Manieren nicht vergaß, aber auf dem Heimweg direkt nach dem Gespräch habe ich geflucht wie ein Bauarbeiter. Zu Hause konnte ich dann meine Emotionen, hauptsächlich Wut, gar nicht mehr kontrollieren. Ich weine eigentlich nur, wenn ich wütend bin oder ich mich ohnmächtig vor Zorn fühle. An dem Abend habe ich ganze Bäche geheult und war so zornig, dass ich ernsthaft darüber nachdachte am nächsten Tag zu kündigen. Zum Glück hat mein Mann verstanden was mit mir los war und hat mich zu Arzt geschickt bevor ich kündigen würde. Das habe ich am nächsten Morgen auch gemacht und habe prompt die Diagnose Burnout bekommen. BHÄM! Mein Arzt hat mich erst mal für mindestens 2 Wochen krank geschrieben. Ich muss sagen, ich habe nicht wirklich Erinnerungen an diese 2 Wochen, ich weiß nur dass ich 17 Stunden am Tag geschlafen habe und auch sonst nichts gemacht habe. Aber das Schlimmste stand mir noch bevor. Nach 3 Wochen zu Hause ging es mir noch schlechter und nach 6 Wochen hat mich mein Arzt zu einem Spezialisten überwiesen, der nicht nur eine Burnout, sonder eine feine Depression diagnostizierte. Meine Depression machte mich zu einem wütenden, zynischen Menschen. Ich war ziemlich aggressiv und alles in Zusammenhang mit meinem Arbeitgeber machte mich zornig und ich brauchte Stunden, um mich wieder zu beruhigen. Da mein Mann bei der selben Firma arbeitete, war das besonders schwierig und jeder Anruf auf seinem Telefon mit Besserungswünschen für mich, kotzte mich im wahrsten Sinne des Wortes an. All diese negativen Emotionen hatten sich in mir aufgestaut und ich hatte kein Ventil, um sie los zu werden. Zum Glück haben die verordneten Antidepressiva geholfen mich soweit runter zu bringen, dass ich an meinem Weg zurück zur Malerei arbeiten konnte. Ich wusste, dass das einer der beiden Schlüssel zur Genesung war. Der andere Schlüssel war, wieder ins Ruhrgebiet zurück zu ziehen, um näher an unseren Familien und Freunden zu sein. Mein Mann und ich hatten keine sozialen Kontakte außerhalb der Firma und das hat bei uns beiden Spuren hinterlassen. Wir waren seit 4,5 Jahren in der Warteschlange für Home Offices, hatten jedoch noch keine Genehmigung erhalten. Im August 2012 gab es dann eine sehr tränenreiche Nacht für mich. Mein Schatz war schon im Bett und schlief, als ich mir ein gutes Glas Rotwein gönnte und mich mit Pinseln und Farben vor die Staffelei setzte. Ich wollte so dringend wieder malen und ich hatte so ein Gefühl im Bauch, dass diese Nacht DIE Nacht sein würde, in der der Knoten endlich platzt. Es hat eine Weile gedauert, aber sobald ich die ersten Farbfelder mit dem Pinsel auftrug war ich nicht mehr zu stoppen. Alles was ich hasste, alles was ich wollte, alles was ich vermisste kam raus und ich musste es nur noch malen. Mit Tränen über die Wangen laufend (Tränen der Freude, Erleichterung, Wut und Schmerz) malte ich stundenlang bis die Sonne aufging. Ich habe sogar von der Staffelei auf dem harten Holzboden geschlafen, weil ich so erledigt war, dass ich die 5 Schritte ins Bett nicht mehr geschafft habe.

Im Oktober 2012 ging ich dann wieder auf Arbeit unter der Bedingung, dass ich einen Home Office Vertrag oder etwas vergleichbares bekäme, sobald ich wieder volle Stunden arbeitete. Zu meiner Enttäuschung wurde mein Antrag abgelehnt, obwohl man mir eine Lösung versprochen hatte, bevor ich wieder ins Büro kam. Als ich diese Nachricht bekam, habe ich im wahrsten Sinne des Wortes rot gesehen. Mein Zorn kam über mich wie eine Tsunami-Welle und hatte Schwierigkeiten mich im Zaum zu halten und niemandem weh zu tun. Festzustellen, dass man mit einem Lächeln im Gescicht immer und immer wieder blank ins Gesicht gelogen bekam, war heftig – und ich war fertig mit der Firma. Am nächsten Tag habe ich gekündigt und 2 Monate später sind wir dann endlich nach Hause umgezogen. In diesen 2 Monate habe ich die Schreiberei auf die Leinwand gebracht. Jede Lüge, jede dumme Bemerkung, die ich mir in den 6 Wochen nach meiner Krankheit im Büro anhören musste, ich auf der Leinwand verewigt.Heute, in unserem neuen Heim, male ich jeden Tag und ich fühle mich großartig – komplett, geerdet, glücklich – ich sehe meine Familie und Freunde jede Woche und ich genieße das Leben sehr. Ich habe mich entschieden nicht nach einer neuen Anstellung zu suchen, sondern als freischaffender Künstler zu arbeiten. Ich hatte viel Zeit darüber nachzudenken, was ich will und was ich im Leben brauche und es hat sich herausgestellt, dass ich ohne meine Kunst nicht leben kann. Ich kann ohne malen, zeichnen, bildhauen und fotografieren nicht leben. Ich kann es einfach nicht. Mich interessieren keine Titel, wieviel Geld ich verdiene oder wie wichtig ein Job iinnerhalb einer Firma ist. Ich bin nicht (mehr) in der Lage in einer Firma einen Job von 8 bis 5 zumachen. Und Dank meiner letzten Arbeitserfahrung, bin ich quasi Mangelware für diese Art von Arbeitgeber/Arbeit. Ich würde niemandem in einem Büro vertrauen, das ständige Hinterfragen wäre sehr anstrengend und so seltsam es klingt, ich bin eigentlich glücklich darüber, dass ich diese Macke nun habe. Es führt dazu, dass ich noch härter an meinen Kunstprojekte arbeite, meinen Traum versuche zu verwirklichen und mutig genug bin diesen Weg zu gehen, auch wenn ich nicht weiß, wie es ausgehen wird. Ich habe mich nie leichter und “plüschiger” in meiner Seele gefühlt – und das inzwischen ganz ohne Medikamente! 🙂 Ich muss zugeben, dass ich mir einen klitzekleinen Teil der Melancholie und meiner dunklen Seite bewahrt habe, weil ich darauf vertrauen kann, dass dieser Teil meiner Seele meine Kreativität ständig füttert und ich dann meine Seele malen kann.

Da ich die Erfahrung überwunden habe und in meinem Leben weiter gekommen bin, war es an der Zeit mein Depressionsbild mit der nächsten Schicht Farbe zu bedecken und so das finale Werk zu kreiieren. Ich wollte, dass es durcheinander, wütend, mächtig, roh und irgendwie hässlich aussieht; weil so meine Seele zu der Zeit aussah und irgendwie immernoch tut. Es hat viel Spaß gemacht die Farbe an die Leinwand zu schmeißen anstatt sie mit Pinseln auzutragen. Es war emotional, schmerzlich und mächtig, weil ich nun loslassen musste. Der wütende Teil von mir der zornig auf die ganze Welt war, musste nun los gelassen werden. Ich mag es, dass dieses Bild nicht hübsch anzusehen ist und schon fast mechanisch wirkt. Es ist mein Verstand, es ist meine Depression, es ist mein Hass, Zorn und meine Wut, es ist ein Teil meiner Seele – das bin ich. Es hat mich 3 Stunden gebraucht den letzten Teil des Bildes zu vollenden.

Das Video hierzu ist auf meinem Youtube Kanal verfügbar: www.youtube.com/pinselgeschichten

English: This piece of art is by far the most important one and dearest to my heart of all the pieces I created so far. This painting depicts my broken mental health. Yes, this is what it looks like in my head; hard to believe, isn’t it?! But what’s the story behind it? Well, here we go: I used creating and visual art as my escape and stress relieve for many years. Whenever I felt tense or something sparked my imagination, I put it on paper or canvas. From 2004 to end of 2012 I worked at an IT company, being the PA for the VP and taking care of everything Marketing related. I loved my job, I loved my work environment, I loved being able to make a difference. I worked up to 100 hours a week and for a very long time, I did not feel anything wrong with it since I never had a border between what I did in office and what I liked to do in my free time. Being creative at work was just as fulfilling as being creative at home. In October 2010 however, I realized that something was off. I was getting tired and I stopped painting all together. Whenever I sat in front of my easel, my mind went blank. I was frustrated but thought I shouldn’t push myself too hard. That tingling in my hands and that yearning would come back and then I could paint again. I worked a lot on photography as a substitute, but though it calmed me, it never reached the calming effects of a brush in my hands. In 2011 I struggled a lot with migraines and in December that year I was ready for a long vacation. I needed it badly. Due to some unforeseeable situations I was only able to take that time out 2 months later and the workload in office did not get less; no it doubled.

But seeing  the results and having the rewarding feelings of success, I did not listen to my body. In 2012 it got even worse. I had a very short patience span and fought hard against letting my temper harm anybody. Most times my brain was still faster than my mouth;  thank God! Unfortunately, my health decreased and from 1st January 2012 to 9th April 2012 I had only 3 days without pain medication. My migraines were killing me. And then came the fateful day: 10th April 2012. I had a heavy argument with my boss, whom I was very close to. We had a brilliant work relationship, but that day we did not agree at all and I snapped during a dreadful phone conversation. Luckily I could hold on  to my manners and only started cursing and yelling on my way home right after the call. At home that night I couldn’t control my emotions, mostly my anger, anymore. I usually only cry when I’m angry or have impotent rage; that night I cried a lot and I was so enraged that I thought about quitting my job the next day. Lucky me, my husband understand what was going on and advised me to not quit yet, but see a doctor first. That what I did and the next morning I got diagnosed with burnout syndrome. BHAM!!! My doctor ordered me to stay home for at least 2 weeks; which I did. I have to say I don’t remember a lot of those 2 weeks, I just know that I slept at least 17 hours a day and that I didn’t do anything much during the times I was awake. But the worst was yet to come. After 3 weeks at home I felt even worse and when it didn’t get any better after 6 weeks at home my doctor send me to a specialist, who diagnosed not only the burnout but a full-blown depression. My depression made me an angry, cynical person. I was pretty aggressive and anything related to my employer enraged me and it took me hours to calm down again. With my husband working for the same company, it was impossible not to spark that rage. I couldn’t stand all the calls on his phone from colleagues that just wanted to wish me a fast recovery. All those negative emotions stacked up inside me and I had no way to release them. Fortunately, with anti-depressants I was able to calm myself enough to work on getting back to painting. I knew that this was one of the 2 keys to become well again. The other one was moving back to my hubby’s and my hometown to be closer to our families and friends. We did have no social life outside the company and it took a toll on the both of was. We were in line for home offices for 4.5 years then but no approval was given yet. In August 2012 I had a very tearful night. My sweetheart was asleep and I got myself a nice glass of red wine, took my brushes and colors and sat myself down in front of my easel. I so desperately wanted to paint again, and I had that feeling in my gut that that night could be THE night.

I took me a while but once I had applied a couple of strokes of color, I wouldn’t be stopped. Everything I hated, everything I wanted, everything I missed came out and I just had to paint it. So with tears streaming down my face (tears of joy, relief, anger & hurt) I painted for hours until the sun came up. I even slept on the hard wooden floor in front of my easel because I was too exhausted to walk those 5 steps into bed.  In October 2012 I went back to work under the condition that I’d get a home office contract or something similar once I worked full hours again. To my disappointment my request was denied despite the promise for a solution before I came back to work. When I received those news, I literally saw red. My rage came over me like a huge tsunami wave and I struggled very much to not hurt somebody. Realizing that you’ve been lied to your face over and over again, with a smile in their face, boy – I was done. The next day I quit and a 2 months later we finally moved back home. During those 2 months I added the writing on to the painting. Every lie, every stupid remark I heard during those 6 weeks of being back at work after my depressive episode; it’s all written down on that 1 canvas. Now, in our new home, I paint every day, I feel great – complete, centered, happy – I see my family and friends every week and I very much enjoy life. I decided not to search for another employment but to work as a freelance artist. I had a lot of time to think about what I want and what I need in life and it turned out I can’t live without my art. I can’t live with painting, drawing, sculpting, photographing and designing. I simply can’t. I don’t care about a title, how much money I earn or how important a job within a company is. I’m unable to work in a company and have a normal 8 to 5 job. Due to that recent work experience I’m broken goods for that kind of employment/work. I wouldn’t trust anybody in an office work environment, and as strange as it sounds, I’m pretty happy about that lack of faith. It makes me work harder at my art projects and to pursue my dream and to be brave enough to go down that road without having a clue of what the outcome will be. I’ve never felt that light and fuzzy in mind – and that without any meds. 🙂 I have to admit that I kept a very tiny melancholic and dark spot on my soul, because I can count on that part to spark my creativity and to be able to paint my soul.

With me being over that experience and having moved on, it was time to cover up my depression painting and to create the final piece. I wanted it to look messy, angry, powerful, raw, and kind of ugly; because this is what my mind looked like and in a way still does. It was fun to through the paint onto the canvas rather than painting it. It was emotional, painful and powerful, because I had to let go. Let go of that angry part of me that raged against the world.  I like the piece no being pretty and almost mechanical looking. It’s my mind, it’s my depression, it’s my emotions, it’s my hate, rage and anger, it’s part of my soul – it’s me. Finalizing that last leg of the painting took me 3 hours.

 The video for this piece is available on my Youtube Channel: www.youtube.com/pinselgeschichten

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: